Flashmobs

Am 3. Juni 2003 versammelten sich, auf Veranlassung eines gewissen Bill Wasik, dutzende Menschen in einem New Yorker Teppichladen und malträtierten den Verkäufer mit nervigen Fragen, danach zogen sie in eine Hotellobby und applaudierten sinnlos. An diesem Tag wurden New York und die Welt Zeugen des ersten Flashmobs. Diesen erklärte Bill Wasik drei Jahre später zu einem satirischen Experiment, mit dem er den pseudo-Nonkonformismus der Internetgeneration bloßstellen wollte.
Flashmobs sind koordinierte Zusammentreffen von möglichst vielen Menschen, die sich untereinander nicht kennen. Gewöhnlich werden Flashmobs über Internet, Handy oder sonstige Kommunikationsmittel verabredet. Ziel des Flashmobs ist es, möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen, weswegen er auch immer an öffentlichen Plätzen stattfindet, wo dann eine möglichst spektakuläre und koordinierte Aktion stattfindet. Als medienwirksamster Flashmobs auf deutschem Boden kann man wohl eine Berliner Aktion bezeichnen. Ein Flashmobs von ca. 2000 Leuten traf sich, um gleichzeitig 10 000 Hamburger in einem Fast-Food Laden zu bestellen.
Direkt nach dem ersten Flashmobs war das Medieninteresse an dem neuen Phänomen riesig. Doch die Flashmobs waren ein kurzlebiges Phänomen und verschwanden ebenso schnell wie sie aufgetaucht waren. Erst 2007 begann das Revival des Flashmobs.
Politische und soziale Bewegungen entdeckten das Potenzial eines Flashmobs für sich. So organisierten Kunstliebhaber in Sankt Petersburg einen Flashmobs, um gegen die Kommerzialisierung der Eremitage zu protestieren.
Am 13. April 2008 schafften es Flashmobs, sich in die Sphären des politischen Widerstands zu erheben. Ein kleine Gruppe von ca. 20 Leuten traf sich in Washington DC vor dem Jefferson Memorial, um dem Mit-Unterzeichner der amerikanischen Verfassung eine verspätete Geburtstagsfeier zu geben, bei der alle „Gäste“ lautlos und zu ihrer eigenen Musik tanzten. Dies erregte den Unmut der Nachtwächter, die die Flashmobs auflösen wollten. Als sich die Teilnehmerin Brooke Oberwetter, unter dem Hinweis auf ihr verfassungsmäßiges Recht, das Recht zu Ehren Jeffersons zu tanzen, weigerte die Aktion zu beenden, ließen die Ordnungshüter sie festnehmen. Dieser Akt des zivilen Ungehorsams machte sie zur Heldin und brachte Flashmobs in die Nähe einer Widerstandsbewegung.
Bleibt abzuwarten, ob Flashmobs es wirklich schaffen, sich von seinen eher ironischen Wurzeln zu entfernen, um eine ernsthafte Bewegung zu werden. Ziemlich sicher ist aber, dass die Flashmobs diesmal nicht mehr so schnell und lautlos verschwinden werden, wie anno 2003.

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